Ein Spektakel ohne Markel
November 13, 2009 by Jens Lüdicke
Filed under Statthalter, Zuggemeinschaft
«Das allergrößte Glück auf Erden, in Klaa Paris ein Narr zu werden» – so das Motto der Närrisch-Freien Reichsstadt. Mit lautem Helau, einem Abschied und einem neuen Regenten läutete dort das Völkchen die fünfte Jahreszeit ein.
Klaa Paris. Soll die närrische Zeit beginnen? In der Närrischen-Freien Reichsstadt eine demokratische Entscheidung, die nur von einem getroffen werden kann: dem Volk. Das Pro und Kontra gut abgewogen, konnte es nur eine Antwort geben: Das Völkchen bestimmte einhellig, mit viel Applaus und noch lauterem Gejohle. Auch die 171. Fastnacht in Klaa Paris wird gefeiert, und zwar unter dem Motto: «Das größte Glück auf Erden, in Klaa Paris ein Narr zu werden».
Zuvor aber zog sich ein langer Zug vom H. -P. -Müller-Platz bis zur Gemaa Bumb aus alten Tagen, zu deren Einweihung einst der erste Lindwurm durch die engen Gassen von Klaa Paris zog. Mit dabei waren natürlich die Vereine und Besucher aus anderen Stadtteilen. Auch der Große Rat samt dem frisch gekürten Frankfurter Prinzenpaar und dem Kinderprinzenpaar – und ein Fernsehteam, das wegen einer Liveübertragung für Verspätung beim Narrenschwur sorgte.
Man schlug in Klaa Paris neue Wege ein: Denn gestern legte Statthalter Wolfgang I. Aumüller nach elf Jahren sein Amt nieder und setze Thomas I. Dresch die Narrenkappe auf, die er einst von dessen Vater Alfons überreicht bekommen hatte. Einsprüche vonseiten des närrischen Volkes gab es keine, es nahm seinen neuen Herrscher und seinen Prokurator Friedrich «Fidi» Schlegel mit offenen Armen und fröhlichem Helau auf und schwor die Klaa Pariser Fastnacht zu ehren und zu feiern. Darauf ein dreifach-donnerndes Klaa Paris – Helau! sim
Für ihr Album fehlen Wolfgang I. und Reiner Hoffmann Fotos aus dem Jahr 2002 vom Statthalterwagen. Wer welche hat, meldet sich bitte bei Reiner Hoffmann unter 57 84 28.
Das Liktorenbündel
April 13, 2008 by Jens Lüdicke
Filed under Statthalter
Das Liktorenbündel
Das Liktorenbündel des närrischen Statthalters ist angelehnt an das historische römische Hoheitszeichen. Vom Ursprung her gehörte es zur Ausrüstung des einfachen römischen Soldaten. Der römische Soldat war auf Feldzügen weitgehend Selbstversorger. Das bedeutete auch, dass er zusätzlich zu seiner Kampfausrüstung Gerätschaften des täglichen Bedarfs mit sich führen musste. Zweckmäßigkeit war hier sehr wichtig. So steckte der römische Soldat seine Streitaxt durch ein Reisigbündel und hielt das Ganze mit einem Lederriemen zusammen. Auf diese Weise hatte er immer Feuerholz bei sich. Die Streitaxt hatte zudem noch einen friedlichen Nutzen: sie diente ihm zu allen “häuslichen” Verrichtungen genauso gut wie im Kampf. Wo immer das römische Heer auftauchte um neue Länder zu erobern, hielt auch das Liktorenbündel Einzug. So entwickelte es sich im Laufe der Zeit zum Symbol für die Macht Roms. In dieser Eigenschaft wurde es dann auch den Machthabern als Herrschaftszeichen vorweg getragen. Nach und nach wurde dieses Liktorenbündel stilisiert und künstlerisch gestaltet. Es blieb aber immer mit einem roten Lederriemen umwunden. Das erste Liktorenbündel, das alle Statthalter während ihrer Amtszeit begleitet hat, entstand in der Bildhauerei Hugo Uhl. Der Bildhauer Peter Meier aus der Nachfolgefirma Bildhauerei Meier-Uhl hat für dieses Jahr ein neues Liktorenbündel entworfen und geschnitzt, das sich stärker noch als das erste auf das römische Vorbild bezieht, aber auch Symbole und Figuren der Fastnacht darstellt. Das alte Liktorenbündel ist als Leihgabe während der gesamten Fastnachtszeit in der Ausstellung “die Statthalter von Klaa Paris” in den Räumen von Optik Pinguin in der Heddernheimer Landstraße 56 zu sehen. Mit etwas Phantasie kann man sich leicht vorstellen, daß sich aus diesem frühen Liktorenbündel allmählich durch Veränderungen der Jahrhunderte das Zepter der Könige und Kaiser späterer Zeiten entwickelte.
Der Statthalter
April 13, 2008 by Jens Lüdicke
Filed under Statthalter
Der Statthalter
1868 wurde in Heddernheim erstmalig ein “Narrenkaiser” gekrönt, der sein närrisches Volk bis 1872 regierte. 1902 wurde erneut ein Narrenkaiser gewählt. bis zum 1. Weltkrieg lebten die Heddernheimer Narren glücklich mit ihrem Narrenkaiser. Davor und auch danach gab es Fastnachtsprinzen Die Tradition der Fastnachtsprinzen wurde fortgesetzt bis nach dem 2. Weltkrieg, obwohl eine Bürgerversammlung am 12.11.1949 mit überwältigender Mehrheit die Gründung der “Närrisch-Freien Reichsstadt Klaa Paris” als Narrenrepublik beschloß. Als dann aber die Fastnachtsvereine der Stadt Frankfurt beschlossen, daß die ganze Stadt zukünftig von nur einem gemeinsamen Prinzenpaar repräsentiert und regiert werden sollte, fügten sich auch die Narren von Heddernheim. Es wären aber keine echten “Klaa Pariser” gewesen, wenn ihnen nicht zum Punkt “närrische Unabhängigkeit etwas pfiffiges eingefallen wäre. Man besann sich auf seine Wurzeln, und zwar auf die ältesten, die man finden konnte. Heddernheim war schließlich eine römische Gründung. Römische Provinzen hatten zu Zeiten als Rom noch eine Weltmacht war, Statthalter. Das waren römische Bürger, Verwaltungsbeamte und Politiker, die in den Provinzen stellvertretend die Macht Cäsars repräsentierten. Was lag näher, als sich – mit diesem historischen Hintergrund – für die Zeit der Fassenacht einen Statthalter zu wählen, der selbstverständlich dem historischen Vorbild gemäß, in römischer Tunika und Toga gekleidet ist. Wie die römischen Statthalter und wie auch die späteren “Narrenkaiser” regiert ein närrischer Statthalter über einen längeren Zeitraum. Zeichen seiner Macht ist – ebenfalls historisch angelehnt – das Liktorenbündel (siehe Liktorenbündel). Nachdem jetzt alle wissen, wo der Begriff Statthalter seinen Ursprung hat, dürfte einer der häufigsten Fehler, den die Klaa Pariser Narren immer wieder feststellen, nun nicht mehr vorkommen. Häufig wird nämlich – sogar in Presseveröffentlichungen – vom Stadthalter geschrieben, irrtümlich angelehnt an Stadtschreiber, Stadtbüttel und ähnliches. Statthalter ist die Person, die an Stelle des Fürsten, also statt dessen die Macht ausübt. In der Fassenacht vertritt der Statthalter also “Gott Jokus”. Na, jetzt alles klar? Die Statthalter werden von der Zuggemeinschaft Klaa Paris gewählt und ernannt. In dieser Zuggemeinschaft sind alle Heddernheimer Vereine, die sich am “Klaa Pariser Fastnachtszug” und an der Fassenacht beteiligen, vertreten. Die Statthalter üben ihr Amt so lange aus, wie es ihnen und ihrem Narrenvolk gefällt. Die längste Amtszeit regierte Alfons I., bürgerlich Alfons Dresch. 22 Jahre – man sieht, es hat ihm und seinem Narrenvolk Spaß gemacht. Den Statthalter zur Seite steht der Prokurator. Dieses Amt wurde von Statthalter Fritz I., bürgerlich Fritz Halbleib, ersonnen. Als Fritz I. merkte, daß das Amt des Statthalters so viele närrische Pflichten beinhaltete, daß es zu heftiger Arbeit wurde, beschloß er sich für diese Pflichten einen Prokurator zur Seite zu stellen: Hermann Brunner. Der Prokurator von Alfons I. (Dresch) war Michael Robra. Der Prokurator des amtierenden Statthalters, Wolfgang I., ist Reiner Hoffmann, in der Fassenacht weithin als Reiner Hectus bekannt. Die Gründe sollen hier nicht näher erörtert werden…. Richtig ist aber, daß sich ein Statthalter ohne Prokurator, der den Überblick behält und auch einen Großteil der Arbeit tut, seinem närrischen Volk nicht so fröhlich und unbeschwert widmen könnte.
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