Die Gemeinderats-Sitzung von 1839

In dieser Gemeinderats-Sitzung wurde der erste Fastnachtszug beschlossen. Nach dem Gedächtnisprotokoll eines damaligen Gemeinderatsmitgliedes soll sich dies wie folgt abgespielt haben:

An der Sitzung nahmen teil:

Bürgermeister
1. Gemeinderat
2. Gemeinderat
3. Gemeinderat
Ortsdiener
Handwerksbursch

Nun zu den Details:

Bürgermeister:
„Liewe Gemeinderät!
Die Bum bis fertig – Wasser is da –
Wasser fier die ganz Gemaa –
un owwedrei – wie könnts aach sei –
langt´s noch fier de Äbbelwoi!
Vorbei sin alle Wasserquale –
kaans muss Wassergeld bezahle –
wie die vielleicht in hunnert Jahr –
glaabt mers – Berjer – des wird wahr.
Un da doch morje Fassenacht –
un mir schon heut des Werk vollbracht –
müsste mir en Beschluss beschließe –
wo die Gemaa-Bumb mir begieße.

Hier zum babbele der Ort –
Machts Maul uff – meldet Euch zu Wort.

Dies geschah nach dem üblichen Prozedere und Durcheinander bis die Glocke des Ortsdieners erklang.

Bürgermeister:
Was is dann des fier e Gebimmel?
dem Ortsdiener reib ich mal de Kimmel!

Ortsdiener:
Her Borjermaaster – da kimmt en Handwerksborsch –
Sie kennen aach – des is de Schorsch,
der von hier einst fortgedippelt.
Der hätt´ was wichtiges, in der Tat
fier Sie un fier´n Gemeinderat.
Sie däht all vor Freud´erblasse,
soll ich – soll ich en errei jetzt lasse?

Bürgermeister:
Errei mit dem Borsch – mir wärn en befrage,
der soll demokratisch sei Meinung sage!

Handwerksborsch:
Sei mir gegrüßt, mei Heimat sieß!
Komm ich aa mit müde Füß
un bin vom Laafe lendelahm,
die Hauptsach is, ich bin dehaam.

Zwaa Jahr fort un heut zerick,
ich glaab, des is aach Euer Glick,
denn – ich hab e Idee im Hern,
wie mir des Ding jetzt schaukle wern!

Mir lewe in de Fassenacht –
Es wird en Fastnachtszug gemacht.
Mer mache Meenz da garnix nach,
ich maan halt nur – mir kennes aach!

Jetzt frag ich all un hab die bitt
Ihr macht doch sicher alle mit?
Als Motto schlag ich „Pumpe“ vor,
mer brauche Musik, Gäul – Humor,
erst kimmt der Ortsdiener mit de Schell
un dann e schee groß Kapell.

Dann kimmt de Pumpewage draa.
E Puddelbumb – Bumb Nummer zwaa!
Dann misst e bissi Abstand sei –
die Luft is net besonners fei.

Jetzt müsste Ehrenjungfraue ziehe,
wenn mer e paar zusamme kriehe.
Dann de Lehrer Derrflaasch mit de Kinner,
un dadenach direkt dahinner,
die „BUMB“, der Stolz von de Gemaa,
uff em Wage mit Girlande draa!

Un dadehinner, des is klar,
die Butzdeiwel – e Weiwerschar,
die lache, danze, kreische, singe,
un alles dorchenanner bringe.
Des gibt e Sach´wenn mir des mache,
die duhn in hunnert Jahrn noch lache.

Bürgermeister:
Dein Plan der is waas Gott net schlecht,
un jedem Berjer mundgerecht,
un ich bis sofort defier.
In hunnertfufzig Jahr noch glaabt es mir,
wird de Zug – den mir beschlosse,
uffs Neue immer laafe losse!
Die Gemaa-Bumb – weise von uns erdacht –
Bracht uns die Heddemer Fassenacht!

So geschah es dann auch, das die gesamte Gemeinde Heddernheims auf den Füßen war und die neue „Gemeinde-Pumpe“ mit einem großen Umzug feierte.

Gemeinde Pumpe  Gemeinde Pumpe

Somit war der erst Fastnachtszug in Heddernheim geboren. Jahrelang wurden nun an Fastnachtdienstag stets närrische Veranstaltungen und Umzüge organisiert, ohne dass ein eigentlicher Verein bestand. Die Sache nahm aber im Laufe der Zeit solche Ausmaße an, dass man doch periodische Fastnachts-Gesellschaften gründete, die sich nach der Fastnacht wieder auflösten.
Dies war zunächst das „Äppelwein-Geschwader“ das die närrischen Fastnachtsstücke schrieb und auch aufführte.

Das Aeppelwein GeschwaderDas Aeppelwein Geschwader

Ab dem Jahre 1875 bildete sich periodisch zur Fastnachtszeit ein närrischer Ausschuss mit dem Namen Carnevalgesellschaft „Brennnessel“ zu Heddern- heim. Der geistige Führer dieser Gesellschaft war der damalige Heddernheimer Schullehrer C.F. Bender. Ihm war es auch zu verdanken, dass jeder Fastnachtszug mit einem aus eigner Feder stammenden Fastnachtsspiel verbunden war.

BekanntmachungEinladung HarlekinsfreundeBrenessel_zu_HeddernheimBrenesselBrenn=Nessel

Diese Fastnachtstradition hat sich bis in die heute Zeit fortgesetzt, denn jeweils zu Beginn einer närrischen Kampagne wird jeweils nach dem 11.11. ein närrisches Fastnachts-Festspiel aufgeführt.