Wenn er regiert, das Volk jubiliert
November 6, 2009 by Jens Lüdicke
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Noch ein knappe Woche, dann ist die Regentschaft von Statthalter Wolfgang I. und seinem Prokurator Reiner «Hectus» Hoffmann nach elf Jahren beendet. Am 11. November bekommen Thomas Dresch und Friedrich «Fidi» Schlegel die närrischen Weihen und werden die Närrisch-Freie Reichsstadt Klaa Paris regieren.
Heddernheim. Sie sehen wahrhaft majestätisch aus: Thomas Dresch (43) in cremefarbener Tunika, weinroter Toga mit goldenem Lorbeerkranz auf dem Haupte, Friedrich «Fidi» Schlegel (47) im blauen Pendant. Die beiden Freunde präsentieren sich in neuer Rolle: Als Statthalter Thomas I. und Prokurator Friedrich. Am 11. November erhalten sie die närrischen Weihen. Thomas wird fortan der Herrscher über die Närrisch-Freie Reichsstadt sein. Der Höhepunkt einer närrischen Karriere, die den Statthalter-Posten stets zum Ziel hatte.
Es war im Jahr 1977, sein Vater war gerade zum närrischen Statthalter Alfons I. gekürt worden, als auch Thomas Fastnachtsluft schnupperte. «Ich war ursprünglich ein Kind der Kolpingfamilie, hatte dort meinen Freundeskreis. Doch als mein Vater Statthalter wurde, sagte er, Du gehst mal zu den Käwwern», erzählt Thomas lachend, der begeistert dabei blieb. Erst bei der Garde und als Tänzer. Dann, 1989, nach drei Jahren in Karlsruhe, «wo ich jedes Jahr zehn Kilo zugenommen habe», hatte er auch die Statur eines Kommandanten. Gemeinsam mit Ehefrau Andrea wurde er Chef der Prinzen- und Prinzessgarde der Käwwern. Erst dieses Jahr gaben sie den Stab weiter, jüngere sollten ran.
Unschlagbares Team
Es war ebenfalls das Jahr 1977, da Friedrich «Fidi» Schlegel den Spaß an Fastnacht entdeckte. Durch Freunde kam der Praunheimer Bub, der in die Geschwister-Scholl-Schule ging, zu den Käwwern – und blieb. Schnell lernte er den drei Jahren jüngeren Thomas, das Nesthäkchen der Gruppe, kennen. Sie wurden ein unschlagbares Gespann, privat (Fidi ist Thomas’ Trauzeuge) und in der Fastnacht. Unvergessen ihre Auftritte in der Bütt. Als Installateurlehrling und Meister mit Klo und Wanne auf der Bühne, als Stammtischler oder als «Ledig» und «Erledigt». Anfang der 90er Jahre war das. «Wir sind eben ein Team», bestätigen beide. Über die Frage, wer Prokurator werden sollte, musste Thomas Dresch nicht nachdenken. Die Rollen, klar verteilt. «Ich darf im Rampenlicht stehen, Fidi denkt für mich», sagt der künftige Statthalter und grinst dabei seinen Prokurator an.
Mehr als Feiern
Zwei Vollblutfastnachter sind sie beide – nicht nur beim Feiern, sondern vor allem beim Arbeiten. Dass immer noch das Vorurteil herrsche, «dass ein Fastnachter ständig betrunken und den Weibern hinterher ist», macht den künftigen Statthalter ärgerlich. «Unsere Vereine sind nicht nur vom 11.11. bis zum Aschermittwoch aktiv. Wir organisieren die Kerb und das Straßenfest, machen viel Jugendarbeit, holen die Kids von der Straße. Aber all das wird kaum beachtet», schimpft Dresch. Ja, der neue Statthalter findet klare Worte, wenn ihm etwas gegen den Strich geht. «Eine Diktatur ist aber nicht zu befürchten.»
Vielmehr will Thomas das Brauchtum erhalten, und auch nach außen präsentieren, dass die Fastnacht in Heddernheim von einem großen Team getragen wird. Er will dazu beitragen, dass sich der närrische Lindwurm auch in Zukunft durch die engen Gassen zieht. Kein einfaches Unterfangen. Nicht nur, weil die Unternehmen sich längst nicht mehr so großzügig zeigen wie einst. Ein Problem sei auch, dass vielerorts mittlerweile am Fastnachtsdienstag gearbeitet werden müsse. Und nicht jeder Aktive sei bereit, Urlaub zu nehmen.
Die Vereine will Thomas auch als Statthalter unterstützen – und er hat das hehre Ziel, den Sitzungen mehr Gäste zu bescheren. «Das große Problem ist doch, dass es heute täglich mindestens zwei von Profis gemachte Comedy-Shows im Fernseher gibt», sagt Dresch. Klar, dass es einem Laien – und das sind die meisten Fastnachter nun einmal – schwerfällt, dagegen anzukommen. Zumal die Gäste mit einem anderen Anspruch in die Sitzungen gehen. «Früher hieß es, wir wollen lachen. Heute heißt es, bringt uns zum Lachen.» Auch den guten Draht zum Großen Rat will der neue Statthalter pflegen.
Regent aus Leidenschaft
Dass sein Amt mit Kosten verbunden ist – sei es für die Kleidung, für Orden oder Empfänge – sieht Installateurmeister Dresch gelassen. «Wenn ich Tennis oder Golf spielen würde, kostete das auch Geld.» Die Fastnacht – sein einziges Hobby.
Dass er am Vater gemessen werden wird, dessen ist sich Thomas bewusst. Es sind große Fußspuren, die Alfons I. in den 22 Jahren seiner Amtszeit hinterlassen hat. «Ich werde sicherlich das ein oder andere vom Vater wie von Wolfgang übernehmen, auch das ist Brauchtum», sagt Thomas.
Dazu gehören zum Beispiel die von Sohn Max (15) entworfenen und selbst gegossenen Statthalter-Orden aus Zinn. «Das hat mein Vater schon so gemacht.» Ob er so lange möchte wie sein Vater? «Wir machen’s, solange es uns Spaß macht», sagt Dresch. «Bevor man uns aber aus Klaa Paris verjagt, hören wir auf.» Vielleicht tritt dann schon die nächste Dresch-Generation an. Denn mit Max und Christian (19) gibt es zwei potenzielle Nachfolger, die die Fastnacht im Blut haben. Dann allerdings müsste man in Klaa Paris schon von einer Erbmonarchie sprechen…
Treffpunkt am Mittwoch, 11. November 2009, ist um 18.45 Uhr am Fastnachtsbrunnen an der U-Bahn-Station Heddernheim. Mit Musik geht’s zur Gemaa Bumb, wo der Statthalter die Fastnacht um 19.11Uhr eröffnet
Bäume für die Hoheiten
April 13, 2009 by Jens Lüdicke
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Die Karnevalisten der Zuggemeinschaft Klaa Paris waren in der abgelaufenen Kampagne sehr zufrieden mit den Majestäten Torsten I. und Ilona I. Deshalb haben sie dem Frankfurter Prinzenpaar 2008/2009 schon bei der Ehren-Sitzung der Käwwern im Februar ein Gastgeschenk gemacht: Die Wahl fiel auf zwei junge Apfelbäume, schließlich soll den beiden Fastnachtern der Ebbelwei auch in ferner Zukunft nicht ausgehen. Am Gründonnerstag sind die beiden Bäumchen jetzt auf einer Streuobstwiese der Possmann-Kelterei am Kronberger Hang eingepflanzt worden.
An dem Ort, wo Äpfel und alles Flüssige, was sich daraus machen lässt, eine Hauptrolle spielen, sollen die beiden Pflanzen wachsen und gedeihen.
Das ungleiche Paar – Ilona arbeitet als Erzieherin, Torsten als Gastwirt – freute sich über die kleine Feier, zu der Reiner Hectus, Prokurator des amtierenden Statthalters von Klaa Paris, und andere Fastnachter gekommen waren.
Die Bäume der Sorte Elstar wurden «Adam Elstar» und «Eva Elstar» getauft. Außerdem wurden die Stämme mit Namensschildern versehen, damit es nicht zu Verwechslungen kommt.
Natürlich war die Pflanzung auch eine Gelegenheit, um der Kampagne zu gedenken. Torsten I. und Ilona I. haben ihre Pflichten mit Bravour und – was im Karneval noch wichtiger ist – Humor erfüllt. Schon jetzt freuen sie sich auf den 11. November, wenn wieder dreifach donnerndes «Helau» erschallt. chc
Das Liktorenbündel
April 13, 2008 by Jens Lüdicke
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Das Liktorenbündel
Das Liktorenbündel des närrischen Statthalters ist angelehnt an das historische römische Hoheitszeichen. Vom Ursprung her gehörte es zur Ausrüstung des einfachen römischen Soldaten. Der römische Soldat war auf Feldzügen weitgehend Selbstversorger. Das bedeutete auch, dass er zusätzlich zu seiner Kampfausrüstung Gerätschaften des täglichen Bedarfs mit sich führen musste. Zweckmäßigkeit war hier sehr wichtig. So steckte der römische Soldat seine Streitaxt durch ein Reisigbündel und hielt das Ganze mit einem Lederriemen zusammen. Auf diese Weise hatte er immer Feuerholz bei sich. Die Streitaxt hatte zudem noch einen friedlichen Nutzen: sie diente ihm zu allen “häuslichen” Verrichtungen genauso gut wie im Kampf. Wo immer das römische Heer auftauchte um neue Länder zu erobern, hielt auch das Liktorenbündel Einzug. So entwickelte es sich im Laufe der Zeit zum Symbol für die Macht Roms. In dieser Eigenschaft wurde es dann auch den Machthabern als Herrschaftszeichen vorweg getragen. Nach und nach wurde dieses Liktorenbündel stilisiert und künstlerisch gestaltet. Es blieb aber immer mit einem roten Lederriemen umwunden. Das erste Liktorenbündel, das alle Statthalter während ihrer Amtszeit begleitet hat, entstand in der Bildhauerei Hugo Uhl. Der Bildhauer Peter Meier aus der Nachfolgefirma Bildhauerei Meier-Uhl hat für dieses Jahr ein neues Liktorenbündel entworfen und geschnitzt, das sich stärker noch als das erste auf das römische Vorbild bezieht, aber auch Symbole und Figuren der Fastnacht darstellt. Das alte Liktorenbündel ist als Leihgabe während der gesamten Fastnachtszeit in der Ausstellung “die Statthalter von Klaa Paris” in den Räumen von Optik Pinguin in der Heddernheimer Landstraße 56 zu sehen. Mit etwas Phantasie kann man sich leicht vorstellen, daß sich aus diesem frühen Liktorenbündel allmählich durch Veränderungen der Jahrhunderte das Zepter der Könige und Kaiser späterer Zeiten entwickelte.
Der Statthalter
April 13, 2008 by Jens Lüdicke
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Der Statthalter
1868 wurde in Heddernheim erstmalig ein “Narrenkaiser” gekrönt, der sein närrisches Volk bis 1872 regierte. 1902 wurde erneut ein Narrenkaiser gewählt. bis zum 1. Weltkrieg lebten die Heddernheimer Narren glücklich mit ihrem Narrenkaiser. Davor und auch danach gab es Fastnachtsprinzen Die Tradition der Fastnachtsprinzen wurde fortgesetzt bis nach dem 2. Weltkrieg, obwohl eine Bürgerversammlung am 12.11.1949 mit überwältigender Mehrheit die Gründung der “Närrisch-Freien Reichsstadt Klaa Paris” als Narrenrepublik beschloß. Als dann aber die Fastnachtsvereine der Stadt Frankfurt beschlossen, daß die ganze Stadt zukünftig von nur einem gemeinsamen Prinzenpaar repräsentiert und regiert werden sollte, fügten sich auch die Narren von Heddernheim. Es wären aber keine echten “Klaa Pariser” gewesen, wenn ihnen nicht zum Punkt “närrische Unabhängigkeit etwas pfiffiges eingefallen wäre. Man besann sich auf seine Wurzeln, und zwar auf die ältesten, die man finden konnte. Heddernheim war schließlich eine römische Gründung. Römische Provinzen hatten zu Zeiten als Rom noch eine Weltmacht war, Statthalter. Das waren römische Bürger, Verwaltungsbeamte und Politiker, die in den Provinzen stellvertretend die Macht Cäsars repräsentierten. Was lag näher, als sich – mit diesem historischen Hintergrund – für die Zeit der Fassenacht einen Statthalter zu wählen, der selbstverständlich dem historischen Vorbild gemäß, in römischer Tunika und Toga gekleidet ist. Wie die römischen Statthalter und wie auch die späteren “Narrenkaiser” regiert ein närrischer Statthalter über einen längeren Zeitraum. Zeichen seiner Macht ist – ebenfalls historisch angelehnt – das Liktorenbündel (siehe Liktorenbündel). Nachdem jetzt alle wissen, wo der Begriff Statthalter seinen Ursprung hat, dürfte einer der häufigsten Fehler, den die Klaa Pariser Narren immer wieder feststellen, nun nicht mehr vorkommen. Häufig wird nämlich – sogar in Presseveröffentlichungen – vom Stadthalter geschrieben, irrtümlich angelehnt an Stadtschreiber, Stadtbüttel und ähnliches. Statthalter ist die Person, die an Stelle des Fürsten, also statt dessen die Macht ausübt. In der Fassenacht vertritt der Statthalter also “Gott Jokus”. Na, jetzt alles klar? Die Statthalter werden von der Zuggemeinschaft Klaa Paris gewählt und ernannt. In dieser Zuggemeinschaft sind alle Heddernheimer Vereine, die sich am “Klaa Pariser Fastnachtszug” und an der Fassenacht beteiligen, vertreten. Die Statthalter üben ihr Amt so lange aus, wie es ihnen und ihrem Narrenvolk gefällt. Die längste Amtszeit regierte Alfons I., bürgerlich Alfons Dresch. 22 Jahre – man sieht, es hat ihm und seinem Narrenvolk Spaß gemacht. Den Statthalter zur Seite steht der Prokurator. Dieses Amt wurde von Statthalter Fritz I., bürgerlich Fritz Halbleib, ersonnen. Als Fritz I. merkte, daß das Amt des Statthalters so viele närrische Pflichten beinhaltete, daß es zu heftiger Arbeit wurde, beschloß er sich für diese Pflichten einen Prokurator zur Seite zu stellen: Hermann Brunner. Der Prokurator von Alfons I. (Dresch) war Michael Robra. Der Prokurator des amtierenden Statthalters, Wolfgang I., ist Reiner Hoffmann, in der Fassenacht weithin als Reiner Hectus bekannt. Die Gründe sollen hier nicht näher erörtert werden…. Richtig ist aber, daß sich ein Statthalter ohne Prokurator, der den Überblick behält und auch einen Großteil der Arbeit tut, seinem närrischen Volk nicht so fröhlich und unbeschwert widmen könnte.
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