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Wenn er regiert, das Volk jubiliert

Frankfurter Neue Presse
Artikel der neuen Presse vom 05.11.2009 von Simone Wagenhaus

Noch ein knappe Woche, dann ist die Regentschaft von Statthalter Wolfgang I. und seinem Prokurator Reiner «Hectus» Hoffmann nach elf Jahren beendet. Am 11. November bekommen Thomas Dresch und Friedrich «Fidi» Schlegel die närrischen Weihen und werden die Närrisch-Freie Reichsstadt Klaa Paris regieren.

Statthalter 2009Heddernheim. Sie sehen wahrhaft majestätisch aus: Thomas Dresch (43) in cremefarbener Tunika, weinroter Toga mit goldenem Lorbeerkranz auf dem Haupte, Friedrich «Fidi» Schlegel (47) im blauen Pendant. Die beiden Freunde präsentieren sich in neuer Rolle: Als Statthalter Thomas I. und Prokurator Friedrich. Am 11. November erhalten sie die närrischen Weihen. Thomas wird fortan der Herrscher über die Närrisch-Freie Reichsstadt sein. Der Höhepunkt einer närrischen Karriere, die den Statthalter-Posten stets zum Ziel hatte.

Es war im Jahr 1977, sein Vater war gerade zum närrischen Statthalter Alfons I. gekürt worden, als auch Thomas Fastnachtsluft schnupperte. «Ich war ursprünglich ein Kind der Kolpingfamilie, hatte dort meinen Freundeskreis. Doch als mein Vater Statthalter wurde, sagte er, Du gehst mal zu den Käwwern», erzählt Thomas lachend, der begeistert dabei blieb. Erst bei der Garde und als Tänzer. Dann, 1989, nach drei Jahren in Karlsruhe, «wo ich jedes Jahr zehn Kilo zugenommen habe», hatte er auch die Statur eines Kommandanten. Gemeinsam mit Ehefrau Andrea wurde er Chef der Prinzen- und Prinzessgarde der Käwwern. Erst dieses Jahr gaben sie den Stab weiter, jüngere sollten ran.

Unschlagbares Team

Es war ebenfalls das Jahr 1977, da Friedrich «Fidi» Schlegel den Spaß an Fastnacht entdeckte. Durch Freunde kam der Praunheimer Bub, der in die Geschwister-Scholl-Schule ging, zu den Käwwern – und blieb. Schnell lernte er den drei Jahren jüngeren Thomas, das Nesthäkchen der Gruppe, kennen. Sie wurden ein unschlagbares Gespann, privat (Fidi ist Thomas’ Trauzeuge) und in der Fastnacht. Unvergessen ihre Auftritte in der Bütt. Als Installateurlehrling und Meister mit Klo und Wanne auf der Bühne, als Stammtischler oder als «Ledig» und «Erledigt». Anfang der 90er Jahre war das. «Wir sind eben ein Team», bestätigen beide. Über die Frage, wer Prokurator werden sollte, musste Thomas Dresch nicht nachdenken. Die Rollen, klar verteilt. «Ich darf im Rampenlicht stehen, Fidi denkt für mich», sagt der künftige Statthalter und grinst dabei seinen Prokurator an.

Mehr als Feiern

Zwei Vollblutfastnachter sind sie beide – nicht nur beim Feiern, sondern vor allem beim Arbeiten. Dass immer noch das Vorurteil herrsche, «dass ein Fastnachter ständig betrunken und den Weibern hinterher ist», macht den künftigen Statthalter ärgerlich. «Unsere Vereine sind nicht nur vom 11.11. bis zum Aschermittwoch aktiv. Wir organisieren die Kerb und das Straßenfest, machen viel Jugendarbeit, holen die Kids von der Straße. Aber all das wird kaum beachtet», schimpft Dresch. Ja, der neue Statthalter findet klare Worte, wenn ihm etwas gegen den Strich geht. «Eine Diktatur ist aber nicht zu befürchten.»

Vielmehr will Thomas das Brauchtum erhalten, und auch nach außen präsentieren, dass die Fastnacht in Heddernheim von einem großen Team getragen wird. Er will dazu beitragen, dass sich der närrische Lindwurm auch in Zukunft durch die engen Gassen zieht. Kein einfaches Unterfangen. Nicht nur, weil die Unternehmen sich längst nicht mehr so großzügig zeigen wie einst. Ein Problem sei auch, dass vielerorts mittlerweile am Fastnachtsdienstag gearbeitet werden müsse. Und nicht jeder Aktive sei bereit, Urlaub zu nehmen.

Die Vereine will Thomas auch als Statthalter unterstützen – und er hat das hehre Ziel, den Sitzungen mehr Gäste zu bescheren. «Das große Problem ist doch, dass es heute täglich mindestens zwei von Profis gemachte Comedy-Shows im Fernseher gibt», sagt Dresch. Klar, dass es einem Laien – und das sind die meisten Fastnachter nun einmal – schwerfällt, dagegen anzukommen. Zumal die Gäste mit einem anderen Anspruch in die Sitzungen gehen. «Früher hieß es, wir wollen lachen. Heute heißt es, bringt uns zum Lachen.» Auch den guten Draht zum Großen Rat will der neue Statthalter pflegen.

Regent aus Leidenschaft

Dass sein Amt mit Kosten verbunden ist – sei es für die Kleidung, für Orden oder Empfänge – sieht Installateurmeister Dresch gelassen. «Wenn ich Tennis oder Golf spielen würde, kostete das auch Geld.» Die Fastnacht – sein einziges Hobby.

Dass er am Vater gemessen werden wird, dessen ist sich Thomas bewusst. Es sind große Fußspuren, die Alfons I. in den 22 Jahren seiner Amtszeit hinterlassen hat. «Ich werde sicherlich das ein oder andere vom Vater wie von Wolfgang übernehmen, auch das ist Brauchtum», sagt Thomas.

Dazu gehören zum Beispiel die von Sohn Max (15) entworfenen und selbst gegossenen Statthalter-Orden aus Zinn. «Das hat mein Vater schon so gemacht.» Ob er so lange möchte wie sein Vater? «Wir machen’s, solange es uns Spaß macht», sagt Dresch. «Bevor man uns aber aus Klaa Paris verjagt, hören wir auf.» Vielleicht tritt dann schon die nächste Dresch-Generation an. Denn mit Max und Christian (19) gibt es zwei potenzielle Nachfolger, die die Fastnacht im Blut haben. Dann allerdings müsste man in Klaa Paris schon von einer Erbmonarchie sprechen…

Treffpunkt am Mittwoch, 11. November 2009, ist um 18.45 Uhr am Fastnachtsbrunnen an der U-Bahn-Station Heddernheim. Mit Musik geht’s zur Gemaa Bumb, wo der Statthalter die Fastnacht um 19.11Uhr eröffnet

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